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August 2003 - Zeit sich mal wieder ne Weile vom Acker zu machen. Nix hören und nix sehen. Ab nach Schweden. Allein.
Ich fahre solche Touren gerne alleine. Irgendwie ist das entspannter, ich kann machen was ich will und bin offener für neue
Eindrücke und neue Leute - die man auf so einer Tour eigentlich immer trifft. Bei strahlendem Sonnenschein bin ich von zu Hause über Landstraßen nach Lübeck gefahren. Ein kurzes Stück Autobahn und ab auf die Fähre nach Dänemark. 180km durch Dänemark und per Öresundbrücke nach Schweden. Wie gewohnt habe ich den ersten Zwischenstopp bei Freunden im Süden Schwedens eingelegt. Am nächsten Tag ging's weiter Richtung Norden. Die E6 nach Helsingborg, weiter auf die E4 bis Jönköping und ab da auf irgendeiner kleinen Straße links am Vättern rauf und weiter Richtung Örebro. Durch die Menge der Leute die ich in den vielen Jahren in denen ich mich in Schweden rumtreibe kennen gelernt habe, ist es eigentlich schon gar nicht mehr nötig ein Zelt mitzuschleppen. Ich fahre auf dem Weg nach Norden meist von Clubhaus zu Clubhaus. - So auch auf dieser Tour. Mein Tagesziel lag so ziemlich in der Mitte Schwedens, in der Region Dalarna. Dort hatte ich mich mit Freunden aus Nordschweden, die auf dem Weg nach Hause waren, verabredet um die nächste Tagesetappe bis ins nördliche Schweden mit ihnen zusammen zu fahren. - Wie gesagt...irgendwen trifft man immer unterwegs. :-) Ich trudelte am frühen Abend bei meinen Kumpels am Clubhaus ein. In der skandinavischen MC-Szene ist es absolut Gang und Gebe auf Touren bei befreundeten Clubs zu übernachten. Selbst wenn man den Club nicht kennt ist es [meistens] kein Problem die Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen. So trifft man dann auch ab und an Leute, mit denen man für die nächsten Hundert- oder Tausend Kilometer zusammen weiterfahren kann. Wir beschlossen, nicht sofort am darauf folgenden Tag weiter zu fahren sondern noch einen Tag zu bleiben. Den nutzten wir für einen Abstecher nach Falun. Falun ist keine wirkliche Schönheit. Eine Trabantenstadt, die durch Kupferbergbau entstanden ist. - Dafür hat Falun ein wirklich sehenswertes Bergbaumuseum. Wer sich also mal in der Ecke rumtreibt, sollte einen Besuch einplanen. - Aus Falun kommt übrigens die, für Schweden so urtypische, rote Farbe der Holzhäuser. Die wurde früher aus Abfall der Kupferminen hergestellt und heißt bis heute "Falun-Röd". Das Wetter war über Nacht umgeschlagen. Bester schwedischer Regen. Als rein in die Regenklamotten und weiter Richtung Norden. Je weiter wir noch Norden kamen desto besser wurde das Wetter. Naja....zumindest goss es nicht mehr aus Kübeln so das wir die knapp 1.000km halbwegs trocken abspulen konnten. Von irgendwelchen besonderen Zwischenfällen gibt es bisher übrigens nichts zu bereichten. Der Ofen lief einfach nur erste Sahne! Tanken, pinkeln, weiter fahren. Dazu kommt das die schwedischen Biker es nicht so sehr genau mit der Geschwindigkeitsbeschränkung nehmen [generell und grundsätzlich] und wir daher recht zügig unterwegs waren. Da hieß es dranbleiben oder alleine weiter fahren. Irgendwann kamen wir dann an. In einem kleinen Städtchen im Norden Schwedens, knapp 100km südlich des Polarkreises. Da ich eh grad nix zu tun hatte, folgte ich der Einladung eines Kumpels mit ihm zu seiner Jagdhütte in der Nähe von Kiruna zu kommen. - Nach den bisher etwas über 2.000km war ich nicht böse darüber, dass er die 350km zu Hütte mit dem Auto fahren wollte. :-) Im Schein der letzten Reste der Mitternachtssonne, die Mitte August schon fast wieder hinter dem Horizont verschwindet um den Herbst einzuläuten, erreichten wir die Hütte. Es folgten ein paar Tage totalen Relaxens. Das bedeutete im Großen und Ganzen, Angeln rund um die Uhr. - Dabei sind auch ein paar nette Bilder entstanden, die Du links sehen kannst. Das Eishotel in Jukkasjärvi [www.icehotel.com] liegt quasi ums Eck. Da selbst der schwedische Sommer Kleinholz aus dem Traum aus Eis macht, kann man in den warmen Monaten eine Eisausstellung in einer auf -4°C gekühlten Lagerhalle sehen. Natürlich ist diese Ausstellung kein Vergleich zum richtigen Eishotel, aber wenn man schon mal da ist, kann man mal nen Abstecher machen. - Im Winter ist das Eishotel übrigens eine Reise wert. Allerdings sind die Preise dort aufgerufen werden echt 'ne Frechheit. Nachdem ich nun so richtig entspannt war ging's zurück nach "Süden" in das, namentlich nicht weiter erwähnte, Städtchen und von dort am nächsten Tag nach Finnland. Also oben um die Ostsee rum. Pünktlich mit meinem Einmarsch in Finnland begann es aus Eimern zu schütten. Zum Glück hatte ich irgendwo in der Satteltasche ein Anknöpfvisir für den Jethelm vergraben. Tja..der Regen begleitete mich den gesamten Tag über. Dabei vorlor ich irgendwo die Lust mich noch länger alleine in Finnland rumzutreiben und beschloss die 800km nach Turku, im Süden Finnlands, am Stück zu fahren. Zu allem Überfluss verlor ich auch mein linkes Trittbrettgummi, das sich nach etwas unvorsichtigem "Zu voll Tanken" gelöst hatte. War aber nicht weiter wild, ich hab's wieder gefunden. - Also immer entlang der Küste Richtung Turku um die Nachtfähre nach Stockholm zu erwischen. - Irgendwann fiel mir auf das der Shovel seltsam klang. Du kennst das sicher auch, irgendwann fällt einem ein Geräusch auf, das da vorher doch nicht war?! Oder doch!? Meistens [zum Glück] bildet man sich das ein, weil man unterwegs etwas weich in der Birne geworden ist. Diesmal klang's aber wirklich anders als sonst. Es dauerte eine gefühlte lange Weile, bis ein Blick nach hinten unten zeigte, dass sich die Endkappe meiner Supertrapptüte verabschiedet hatte. Vollbremsung...Kehrtwende und Suchen. Nix zu finden. Auch nach halbstündigem Durchsuchen des Grabens zu beiden Seiten der Straße war nix zu finden. So einen riesen Chomklumpen müsste einem doch eigentlich auffallen?!?! - Übrigens winken auch finnische MOTORRADfahrer freundlich, wenn man als ranziger Harleyfaher im Straßengraben nach Brauchbarem sucht, ohne zu halten und Hilfe anzubieten. Naja..egal...weiter sonst ist die Fähre weg. Angekommen im Fährhafen löste ich ein Ticket [4-Mann Kabine, Innen, keine Fenster] und fuhr auf den Dampfer. Gerade das Bike abgestellt und die Knochen etwas geradegereckt, schlossen sich die Schotten und das Ding legte ab. Schwein gehabt! Aber war ich nicht ne Stunde früher da?! - Des Rätsels Lösung...1 Stunde Zeitverschiebung! - Das kann ja keiner wissen. :-) Besagte Innenkabine wäre normalerweise echter Horror gewesen...zusammen mit drei vollbreiten schnarchenden finnischen Truckern in einer Bude. Aber da ich von den 800 Regenkilometern an diesem Tag so platt war, kann ich mich nur noch daran erinnern mir Ohrenstöpsel reingedrückt zu haben. - Ende, Aus, Testbild. Komatöser Tiefschlaf bis mich irgendwer weckte als wir kurz vor Stockholm waren. Der Rest ist schnell erklärt. Die nächste Etappe ging von Stockholm zurück zu meinen Freunden in den Süden Schwedens, und nach erneut komaähnlichem Schlaf ging's Tags darauf zurück nach Hause. Ach ja...ein Ding ist da noch erwähnenswert. Zwischen Jönköping und Helsingborg, so in der Nähe von Ljunby, riss der Antriebsriemen [1.5"] den ich zu der Zeit noch fuhr. Der schlaue Fuchs sorgt vor...ich hatte Ersatz dabei. Mit letztem Schwung rollte ich von der E4 in einen Waldweg und machte mich an die Reparatur. Als ich da so am Schrauben war, bog ein Auto in den Waldweg ein, fuhr an mir vorbei und hielt 100 Meter weiter an. Weit und breit war sonst kein Mensch zu sehen... Aus dem Auto stiegen zwei Typen, glotzen ne Weile blöd zu mir rüber, öffneten den Kofferraum und verschwanden dann im Gebüsch. - Stell Dir einfach die Situation vor! Mir sind so einige Gedanken durch den Kopf geschossen. Kurz darauf tauchen die beiden Typen wieder auf. Die beiden schleppten zwei volle Säcke aus dem Gebüsch und luden sie in den Kofferraum. Das Spielchen wiederholte sich einige Mal bis das Auto vollgeladen war. Dann verschwanden sie. - Ich weiß nicht ob ich wissen möchte was da in den Säcken war.... |