
Norrtälje / Schweden, 2011
Ich war schon 150.000 Mal in Schweden (mindestens...), aber noch nie auf der Norrtälje Custom Bike Show. Irgendwie hatte es nie geklappt. Entweder war ich früher
oder später da, oder zeitgleich war irgendeine andere Party. 2011 war's also mal Zeit, nach Norrtälje zu fahren. Es ergab sich, das ich Rainer aus Ulm und
Gauzy von meinem Plan erzählte und sie sich einklinkten. Rainer kam schon am Abend vor der Abfahrt aus Ulm raufgebrettert und Gauzy trudelte am Abfahrtstag
morgens um 6 zum Frühstück ein. - Ich denke, die Nachbarn waren vorher schon wach, Gauzy.
Über das Wetter brauchten wir uns übrigens auf dieser Tour keine Sorgen machen. Für das komplette Wochenende war blitzblauer Himmel und Sonne angekündigt.
"Wer will schon nach Italien?" - So starteten wir am Donnerstagmorgen 'gen Norden. Wir hatten jede Menge Zeit und beschlossen zumindest auf dem Hinweg die Autobahn so gut wie möglich zu meiden.
Unsere Strecke führte per Landstrasse von Hannover über Celle, Uelzen, Lüneburg nach Lübeck, gefolgt von einem Stück Autobahn bis zur Fähre nach Puttgarden.
"Eine Seefahrt die ist lustig..." auch wenn sie nur 45 Minuten dauert, bis man in Rødbyhavn von Board purzelt. Nach ausgiebiger Fotosession an Board, und
wie immer sehr skeptischen Blicken der übrigen Touris auf dem Boot, auf uns leicht angeschmuddelte Rocker, schmissen wie die Öfen an und machten uns auf den
Weg zu unserem ersten Zwischenstopp zu meinen Kumpels in Südschweden. Auch in Dänemark war das Wetter perfekt und folglich die Stimmung ungetrübt und heiter.
Die Tagesetappe endete mit knappen 600km auf dem Zähler in einem schwedischen Clubhaus. Der Abend klang gemütlich bei "All you can drink & eat" und schwedischer
Gastfreundschaft aus.
Der Freitagmorgen begrüßte uns ebenfalls mit strahlendem Sonnenschein. Ich erwähne das hier so häufig, weil der geneigte Nordlandfahrer das Gefühl nur allzu gut
kennt, zwei bis drei Wochen lang JEDEN Morgen in Regenklamotten zu starten...
Mit Sonnencreme auf der Nase ging's weiter über kleine Strassen nach Hässleholm, Växjö nach Vetlanda. Meine altbewährte Reisestrategie "Tanken, Pinkeln, Weiterfahren"
wurde ausnahmsweise um die Punkte "Rauchen und Kaffetrinken" erweitert. - Außerdem mußten wir einen kurzen "Gepäckkorrekturstop" einlegen, da sich mein Packsack überlegte ob er nicht vielleicht
doch lieber gleich in Schweden bleibt, statt dauernd hin- und her zu fahren. Mittagessen gab's dann in Vetlanda's örtlicher Frittenschmiede, bevor wir uns weiter
in Richtung Stockholm auf die Socken machten. Irgendwo in der Nähe von Linköping entschlossen wir uns dann, weiter auf der E4 zu fahren, da die Landstrasseneierei
recht viel Zeit in Anspruch nahm und wir an diesem Abend noch in Norrtälje eintrudeln wollten. Kurz vor Stockholm überlegte sich auch Rainers Packsack ob er vielleicht
lieber in Schweden bleiben soll. Gauzy und Rainer konnten ihn aber davon überzeugen doch noch weiter mitzufahren.
Kurz vor Norrtälje begrüßten uns schon quer über die Autobahn gespannte Bike-Show-Banner. Am Veranstaltungsgelände angekommen stoppten wir die Bikes um unseren
Eintritt zu bezahlen. Grade als ich dem Boliden wieder ins Getriebe treten wollte hörte ich jemanden rufen "Hey Gerry, seid Ihr auch endlich mal angekommen!?" und sah Henning, Markus,
HM Mark und Panzer, die wie immer am Eingang rumhingen und sich das bunte Treiben der anreisenden Gäste anschauten. "Endlich mal angekommen?? Hey - wir
sind nicht schon ne Woche vorher losgefahren!" ;-)
Die vier wollten mit noch ein paar anderen Kumpels nach der Norrtälje-Show weiter zur Superrally nach Litauen..wenn ich mich recht entsinne. Coole Sache, ich
wär gerne mitgefahren. Ging aber zeitlich leider nicht. Irgendwie ist mir eh "die halbe P.E.P." in Norrtälje über den Weg gelaufen. - Immer schön bekannte Gesichter zu treffen.
Der Campground war schon mächtig gefüllt. Gut das der Veranstalter noch eine Ausweichwiese eröffnete ... nachdem wir unsere Zelte zwischengequetscht aufgebaut hatten. Freitagabend
war dann natürlich Party angesagt. Kalt war's und irgendwann zwischen 23 und 24Uhr gab's die volle Mückenattacke. So hatte man was zum Klatschen und die Band das Gefühl die Leute klatschten wegen ihnen.
Samstag..der große Tag in Norrtälje. Ich war ja vorher noch nie hier und kannte die Sache nur von Bildern. Die Party selbst findet auf dem Gelände des TwinClubs statt, die Bikeshow
am Hafen in der Stadt. Und wenn ich schon mal da bin, dachte ich mir, stell ich meinen Ofen doch einfach auch mal in die Show. Dabei sein ist alles - und außerdem hatte ich keine Lust den ganzen
Weg zu Fuß zu latschen. Um 9 Uhr war Einlass für die Showteilnehmer und ich um kurz vor 9 Uhr am Einlassbereich. Zufällig, ohne dass ich jetzt hibbelig auf den Moment gewartet hätte,
war ich der allererste der auf das Showgelände einfuhr. - Welch erhebendes Gefühl! :-) Die Bikes werden in Klassen eingeteilt und jede Klasse hat einen eigenen Bereich in dem die Bikes
abgestellt werden müssen. In dem Bereich kann man sich dann den Stellplatz selbst aussuchen. Und da ich der Erste war...freie Auswahl! :-) Also die Mopete abgestellt und dann gucken
was sich da alles so an Mopets aufreiht. - Vom Ratbike bis zum reinen Showbike, das niemals einen Meter aus eigenem Antrieb fahren wird, trudelte alles ein.
Unsere Bilder von Bikes der Show und des Campgrounds findest Du hier:

Die Kulisse für die Show mit dem Park am Hafen ist übrigens wirklich super! Irgendwann trudelten auch Gauzy und Rainer zu Fuß ein. Wir vertrieben uns dann den Tag mit begutachten "meiner
Mitbewerber" und ließen uns die Sonne auf die Glatzen brennen. Was da an Bikes aufgeboten wurde ist wirklich ohne Worte. Einfach Hammer. Manchmal fragt man sich zwar "Wass'n das??" Aber
so iss das halt mit den Geschmäckern. Einen Kritikpunkt hab ich allerdings: Showwinner, gerade in einer solch hochkarätigen Show, sollten zumindest in der Lage sein aus eigenem Antrieb
auf die Bühne zu fahren und nicht geschoben werden müssen!
Ansonsten, super Show. Die halbe Stadt scheint im Park unterwegs zu sein um die Bikes zu begutachten und auf dem Weg zurück zum Campground steht dann die andere
Hälfte der Einwohner um sich die "Irren auf ihren Bikes" bei der Abfahrt anzugucken.
Zurück auf dem Veranstaltungsgelände haben wir da dann nochmal ausgiebig Mopets geguckt bevor es am Abend in die zweite Partyrunde ging. So im Nachhinein hat mich die
Party selbst nicht unbedingt umgehauen. Wär's nur die Party ohne die Bikeshow, würde ich glaub ich nicht nochmal hinfahren. Ist aber mein subjektiver Eindruck. Kann auch
daran liegen das ich keinen Alkohol trinke und der Partymodus daher etwas schwerer anspringt. :-) Auch Samstag galt mein Klatschen daher den Mücken, und nicht den Bands.
- Nicht falsch verstehen, wir hatten trotzdem sehr viel Spaß!
Am Sonntag ging's wieder zurück in den Süden Schwedens. Mein Packsack wollte in Stockholm noch einmal die Diskussion "Bleib ich hier oder fahr ich mit" führen. Ansonsten war die
Rückfahrt eher unspektakulär, da wir einfach die E4 gefahren sind..der Kilometerfresserei wegen. Tanken, Pinkeln, weiter fahren. Wegen extremer Fotoaction hatte Gauzy
irgendwo auf der E4 noch einen seiner Handschuhe verloren. Ich hab erst nach 'ner Weile gemerkt das ich allein unterwegs war und 'ne ganze Weile auf dem
Seitenstreifen auf Gauzy und Rainer gewartet, bis sie dann an mir vorbeigeballert sind.
Wie haben dann noch versucht die Cliff Burton Gedenkstätte nahe Ljungby zu finden. Ich hab's aber nicht auf den Schirm gekriegt wo's genau war und Gauzy's iPhone ließ sich
in Schweden nicht davon überzeugen mal ins Internet zu gucken. Nach etlichen Kilometern Rumgurkerei haben wir die Suche dann aufgegeben und sind weiter gezogen.
Nach einem weiteren Zwischenstopp in Schweden dann am Montag zurück nach Hause. Malmö-Kopenhagen, Rødby-Puttgarden. In Heiligenhafen gab's noch ein ordentliches Schnitzel zum
Mittag bevor wir uns dem deutschen Autobahnwahnsinn gestellt haben, um nach Hause zu kommen. In Hannover trennten sich unsere Wege. Gauzy kachelte weiter Richtung
Bielefeld, Rainer bekam noch eine Nacht Asyl auf unserem Sofa, bevor er sich am Montag Richtung Ulm auf die Socken machte.
Mädelz - es war mir ein Vergnügen mit Euch unterwegs gewesen zu sein!
RIDE HARD!
P.S.: Ich habe übrigens keinen Pokal abgeräumt... :-)