"Da grinst er wieder." hab ich irgendwo gehört als ich mit eben diesem Grinsen über den Partyplatz gelaufen bin. Kein Wunder, denn bei der Atmosphäre und Stimmung die über das gesamte erste Juliwochenende auf der Weserwiese bei Bodenwerder herrschte, konnte ich einfach nicht anders. - Ein perfektes Wochenende das für uns bereits am Donnerstag mit dem Aufbau begann.

Chris [ Kornshovel ] und sein Kumpel Marek aus Berlin läuteten ebenfalls schon am Donnerstag die Pre-Evo-Party ein. Sie erschienen als erste Gäste am späten Donnerstag nachmittag auf dem Platz und wurden so selbstverschuldet zu "freiwilligen Aufbauhelfern" rekrutiert. Ein Großteil der Aufbauarbeiten war am Donnerstag abend erledigt und wir gingen zum gemütlichen Teil in kleiner Runde über.
Der Aufbau-Endspurt lief dann am Freitag. Irgendwann so ab Mittag, während wir die letzten Partyutensilien aufbauten, rannschleppten, hin- und her fuhren und uns die Sonne so langsam aber sicher die Birne weichkochte, kamen dann die ersten Alteisengüppchen angebollert. Schon von Weitem konnte man die Bikes über die Bundesstrasse und auf der schmalen Strasse entlang der Weser kommen hören.
Mit zu den ersten Gästen gehörten die Jungs und das Mädel aus Dänemark und Schweden. Wie erwartet gingen sie direkt nach ihrer Ankunft zur Druckbetankung über. Während sich die Nordmänner und die Nordfrau erfolgreich damit beschäftigten ein paar Hirnzellen dem Gott des Alkohols zu opfern füllte sich das Partygelände zusehends mit Gästen aus allen Ecken des Landes.
Mit wachsender Begeisterung führte einer der Dänen seinen "Evo-Twincam-Killer" vor. Dicker blauer Qualm kam aus beiden Rohren seiner Panhead-Ratte. Ich dachte zuerst der Ofen hätte es völlig hinter sich. Weit gefehlt! Das Bike war mit einer elektronischen Öleinspritzung in den Auspuff ausgerüstet. Per Knopfdruck läßt sich so blitzartig die komplette Fahrbahn hinter einem [oder eben der Partyplatz] in dichten blauen Ölnebel legen, falls man mal von einem Evo oder TwinCam verfolgt wird ...
Kurz nach den Gästen aus dem hohen Norden kamen die Schweizer-Eidgenossen auf dem Partygelände an. Sie ließen es sich nicht nehmen ihre Alteisen in den - aus ihrer Sicht - "hohen Norden" zu bewegen. Und so herrschte den ganzen Nachmittag und Abend über reger Anreiseverkehr auf dem Partygelände. Gegen 22 Uhr standen bereits über 160 Bikes auf dem Platz! - Wahnsinn!
Wie gewohnt entwickelte sich aus Ankommen, Abladen, Aufbauen, Begrüßen, mal gucken gehen und den ersten Bieren eine entspannte Freitags-Party mit Musik aus der Konserve und lockeren Gesprächen an der Theke, am Lagerfeuer oder sonstwo auf dem Partygelände. Aus alter Tradition ließen Arthur und Burnout-Rudi es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen den Freitags-Burnout-Wettbewerb untereinander auszumachen. Um den Schwierigkeitsgrad in diesem Jahr zu erhöhen hatte Rudi im letzten Winter auf Fußkupplung umgerüstet. So kam er denn zu fortgeschrittener Stunde mit seinem Bike vor´s Partyzelt getuckert um seinen Burnout zur Titelverteidigung hinzulegen. Der Plan war gut...der Ansatz auch... an der perfekten Durchführung hinderte ihn diesmal aber entweder der schon früher erwähnte Gott des Alkohols, der übrigens die Dänen und Schweden zu diesem Zeitpunkt bereits in die Waagerechte befördert hatte, oder die Fußkupplung. Ein sehr schöner, aber in der Kür etwas mißglückter, BurnOut in dem Arthur seine Chance witterte und seinerseits einen perfekten BurnOut hinlegte für den er am Samstag endlich den verdienten BurnOut-Pokal in Empfang nehmen konnte!

So langsam dämmerte irgendwann der frühe Samstag morgen über der Weserwiese auf der immer noch einige Gestalten unterwegs waren. Immer noch an der Theke in Gespräche vertieft, vor der Theke oder auf dem Weg zum eigenen Zelt liegend oder irgendwo anders eingepennt. Einige gingen wieder direkt vom letzten Bier zum Frühstück über. - Keine Gnade für das Thekenteam.

Nachdem der Kopf wieder klar war, wurde der Samstag vormittag von vielen Partygästen für einen Abstecher ins Weserbergland genutzt. Das Wetter war dafür perfekt. Keine Wolke am Himmel und Temperaturen nahe der 30°-Marke. Andere blieben einfach auf dem Partygelände um sich Bikes anzusehen, Ideen für den nächsten Umbau zu sammeln oder einfach nur die ankommenden und abfahrenden Bikes zu begutachten. Vor allem von den Ankommenden gab´s den ganzen Samstag über reichlich zu sehen. Um´s vorweg zu sagen, am Ende des Tages klebte der Aufkleber mit der Zahl 386 auf der Lampe des letzten gezählten Alteisens.
Sicher nutzte der eine oder andere den Samstag auch dafür, nicht so ganz freiwillige Arbeiten an seinem Bike durchzuführen. Jedenfalls hatte ich einige Ersatzteile auf dem Bestellzettel stehen, der an der Theke zur Ersatzteilsammelbestellung auslag. Die Bestellung wurde dann Samstag Mittag telefonisch beim Team von W&W Lauenau aufgegeben und die benötigten Teile am Nachmittag geliefert.

Für Samstag standen dann noch einige Programmpunkte auf dem Plan. Lalli hatte sich wieder dazu bereit erklärt eine Ausfahrt durch´s Weserbergland anzuführen. Wohl wegen der Hitze, der Tatsache das die meisten "Fahrwilligen" bereits auf eigene Faust unterwegs waren oder wegen des wieder steigenden Alkoholpegels, fand die Ausfahrt dann am Nachmittag in recht kleiner Gruppe statt. Trotzdem hat´s allen ´nen riesen Spaß gemacht in einer Gruppe alter Öfen durch Weserbergland zu poltern.

Nachdem die beiden Bands The Electric Church und die Nice Guys am späteren Nachmittag angereist und ihr Equipment auf der in letzer Minute organisierten Bühne [lange Geschichte] aufgebaut hatten ging´s mit den Spielen los. Vorab wurde die Bikeshow offiziell eröffnet. Jedem stand es frei sein Bike in einem eigens abgesteckten Bikeshow-Bereich zu parken um es später von einer fachkundigen Jury bewerten zu lassen. Als erstes "Spiel" stand der Phonwettbewerb auf dem Programm. Ich mußte nicht lange bitten bis die ersten Öfen nach vorne zur Bühne gefahren wurden wo sich Klaus und Georg mit ihrem Phonmessgerät aufgebaut hatten. Sieger ist, wer den lautesten Ofen hat. Egal wie.
Und so wurden auch in diesem Jahr Panhead und Shovel-Motoren in mehr oder weniger kaltem Zustand mit mehr oder weniger legalen Auspuffanlagen zu ungeahnten Drehzahlhöhen getrieben. Auch ein Flaty mußte zeigen zu was er im Stande es. Respekt Leute! - Es ist bei diesem Wettbewerb immer wieder interessant und amüsant zu sehen, was sich an wichtigen und weniger wichtigen Teilen von einigen Bikes verabschiedet. Komplette Scheinwerfer, Fußrasten und etliche Schrauben galt es anschließend wieder an ihrem Platz zu befestigen. Der Sieger trieb die Anzeige des Phonemessgeräts bis auf stattliche 128.5 Phon! [auf Namen, Bild und Kennzeichen verzichte ich an dieser Stelle bewußt... :-)]

Im Anschluß an die Phonmessung starteten wir mit dem Slowrace. Knapp 20 Kontrahenten wollten hier zeigen wie langsam sie die abgesteckte Stecke zurücklegen konnten. Natürlich ohne den Fuß abzusetzen. Einer der Gäste vom "anderen Parkplatz" mischte sich ebenfalls ins Starterfeld. Nach lautstarkem Veto des Publikums fuhr er sein Rennen ungewertet...Pre-Evo-Party eben. Die durchschnittlichen Zeiten auf der ca. 50 Meter langen Strecke lagen bei ca. 30 Sekunden. Einige schafften es auch in unter 15 Sekunden, was irgendwie am Sinn des Slowrace vorbei ging. Titelverteidiger Uwe konnte mit seiner Knuckle und in Sandalen diesmal leider nicht erneut den Pokal nach Hause holen. Der Sieger [sorry...Name nicht notiert] ließ sich sage und schreibe 41 Sekunden Zeit die Strecke zurückzulegen. - Ich hoffe Du bist inzwischen zu Hause angekommen.

Nach den Spielen gab´s was auf die Ohren. Die Nice Guys [ www.nicemusik.de ] sorgten in den folgenden zwei Stunden mit einem super Gig unter freiem Himmel für wippende Füße und grölende Gäste vor der Bühne.
Danach ging´s für mich an die Pokal- und Preisverleihung. Zunächst der Preis für die weiteste Anfahrt. Der ging mit etwas über 760km an Svene und Gabi aus der Schweiz. Gabi war mit dem ausgelobten Preis in Form einer 1a W&W Thermoskanne allerdings nicht so ganz einverstanden, kletterte kurz entschlossen zu mir auf die Bühne, schnappte sich das Mikrofon und beschwerte sich über das Warmhaltegefäß. "Sowas hätte sie auf einem Motorradtreffen ja noch nie erlebt". - Sie wolle mein T-Shirt. Dieses T-Shirt?!? Mein Pre-Evo-Party-T-Shirt?!? Es folgte eine kurze Diskussion um mein Shirt, bis sie zur Abstimmung durch das Publikum aufrief. Auch das konnte mich nicht so recht davon überzeugen mich meines T-Shirts zu entledigen. Als sie schließlich anbot Ihr Shirt auszuziehen, so ich ihr denn meines gäbe, war die Sache gebongt und wir hatten die erste Stripeinlage auf einer Pre-Evo-Party. Offensichtlich animierte dies auch einen weiteren Gast die Bühne zu erklimmen und sich sogar bis auf die Unterhose seiner Klamotten zu entledigen... Weitere Preise gingen [etwas unspektakulärer] an die Gewinner der Bikeshow und der Spiele. Die Kategorien der Bikeshow waren Bobber, Original, Chopper, Gespann und Langgabler. Die Nummernschilder der Siegerbikes wurden ausgerufen und jeder der dazu noch in der Lage war hatte mit seinem Ofen vor der Bühne zu erscheinen um die von W&W und Forever Edelstahl gesponserten Siegerpreise in Empfang zu nehmen.

Nachdem alle Preise verteilt waren ging´s wieder daran die Tanzbeine zu schwingen. The Electric Chruch [ www.the-electric-church.fr ], fast schon Inventar auf der Pre-Evo-Party und wieder extra für diesen Gig aus Frankreich angereist, erklommen die Bühne und eroberten die Ohren und Tanzbeine des Publikums. Bis weit nach Mitternacht gab´s Blues und Rock vom Feinsten.

Wer nicht zum tanzenden Partyfolk gehörte gesellte sich zu denen die die Theke belagerten. Und das waren nicht wenige. Das Zapf- und Ausschankteam hatte alle Hände voll zu tun die durstigen Kehlen in windeseile mit flüssigem Nachschub zu versorgen. Der Ansturm auf die Theke ebbte erst gegen drei Uhr morgens langsam ab. Natürlich ging die Party dann in geselliger Runde bis zum nächsten Morgen weiter! Wie schon im letzten Jahr mußte ich auch diesmal auf meinen nächtlichen "Kontrollgängen" wieder um wild auf dem Gelände verstreut liegende Schnapsleichen klettern. PERFEKT!- Männer...das sah aus als hättet Ihr ne mords Party gehabt!

Und so begann dann irgendwann nachdem die Sonne schon längst wieder am Himmel stand ein ähnliches Schauspiel wie am Morgen zuvor. Die letzten die von der Theke wegtorkelten lösten die ersten Frühstücksgäste ab. - Wobei deren Gangart sich oft auch nicht wesentlich von der der wegtorkelnden unterschied...
Frühstück. Frische Brötchen und Kaffee in Mengen. Oft auch nur ein zaghafter Versuch einen Kaffee zu trinken und zu sehen was dann passiert. - Wer kennt das nicht?
Während sich die ersten schon auf den Heimweg machten, lagen andere noch im Koma in ihren Zelten. Was nicht wirklich lange auszuhalten war denn gegen 11Uhr hatten wir die 30°C Marke schon locker erreicht. Für uns ging´s ans Abbauen und Aufräumen. Andere waren bis zum frühen Nachmittag damit beschäftigt zunächst den Kopf klar und dann das Gepäck auf´s Bike zu kriegen. Der letzte Gast verließ den Platz so gegen 16 Uhr am Sonntag Nachmittag.

Als Fazit würd ich sagen: Die 4.Pre-Evo-Party war eine unglaublich geile Sache! Absolut stressfrei und entspannt mit den unterschiedlichsten Leuten aus allen Richtungen Deutschlands und inzwischen sogar schon Europas und einem heiden Arsch voll alter Karren. Bei perfektem Wetter auf einem super Platz. -- Was will man mehr?!?

All das wär nicht ohne die Hilfe meiner Freunde möglich gewesen! Daher an dieser Stelle ein riesen DANKE für Eure Unterstützung bei der Planung und Durchführung der vergangenen Party!